Drucken

Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis von Pfarrer Anghel

Der Hl. Philipp Neri begegnete einmal in Rom einem Studenten, den er schon als Kind kannte. Er ging auf ihn zu und fragte ihn: „Nun, wie geht es dir?“ - „Ich stehe kurz vor der Prüfung“, erwiderte der Student, „und hoffe, dass ich sie gut bestehe.“ - „Und was machst du dann?“ fragte der Heilige. „Ich will Rechtsanwalt werden. Alle Leute sagen, ich sei für diesen Beruf wie geschaffen.“ - „Und dann?“ schob Philipp Neri nach. „Ich werde mir als Rechtsanwalt einen Namen machen; dann kann ich heiraten, ein Haus bauen und ein reicher Mann werden.“ - „Und dann?“ wollte der Heilige wissen. „Schließlich, so hoffe ich, werde ich am Gericht in Rom einen hohen Posten bekommen.“ - „Und dann?“ kam wieder die Frage des Unersättlichen. „Dann werde ich mich eines Tages mit einer hohen Rente zur Ruhe setzen.“ Noch immer war der Fragende nicht zufrieden. „Und dann?“ - „Dann? Ja, dann werde ich wohl eines Tages sterben müssen.“ antwortete der Junge. Nun näherte sich Philipp Neri dem Kopf des jungen Mannes und flüsterte ihm leise ins Ohr: „Und dann?“

Das kann schon nervig sein, wenn einer ständig so fragt, „Und dann?“ - Vor allem, wenn man in die Richtung fragt, die der Befragte so nicht kennt. Es kann aber auch wohltuend sein, dass einer so danach fragt, wie es weiter geht. Denn man hat Interesse an dem anderen, an seinem Glück. Man fordert den anderen heraus, sich Gedanken zu machen. Es ist einem nicht egal, wie es dem anderen geht, wie´s mit seiner Zukunft weiter geht.

Liebe Schwestern und Brüder, diese Geschichte von Philip Neri gibt auf eine andere Art und Weise die Aufforderung wieder, die Jesus im Gleichnis mit den 10 Jungfrauen äußert, nämlich an die Einladung im Himmelreich Gottes zu denken, diese Einladung in den eigenen Lebensplänen miteinplanen; damit rechnen, dass wir alle von Gott gerufen worden sind, einmal entgegenzugehen, dann, nach diesem Leben.

Viele Menschen haben keinen Mut, ihr Leben zu Ende zu denken. Sie wollen über das Ende ihres Lebens auch nicht sprechen. So wie sie auch über den Anfang, den Ursprung des Lebens nicht sprechen wollen. Es sei zu kompliziert darüber nachzudenken, geschweige denn darüber zu reden. Man ist einfach da, so die Erklärung von vielen, die nicht glauben. Man ist einfach da und man muss dieses Leben einfach genießen und alle aus ihm rausholen was geht. Denn YOLO, du lebst nur einmal, so das philosophisch verkürzte Lebensmotto vieler, nicht nur Jugendlicher. Man macht sich selbst also ein Plan für dieses Leben, aber man schließt einen Plan aus, der mein und aller Menschen Leben einschließt. Jesus ist eben gekommen, um uns Menschen von dem Plan Gottes mit uns zu berichten und diesen Plan auch zu bezeugen, mit seinem eigenen Leben, Sterben und Auferstehung.

Wenn Jesus vom Himmelreich spricht, dann redet er über die Realität in der der Plan Gottes mit mir, mit dir, mit dieser Welt entstanden ist. Dann redet er über die Realität, in der wir eingeladen werden zu leben, nach unserem Leben hier auf der Erde, nach unserem Tod. Und diese Realität ist herrlich – sagt er – wie eine Hochzeitsfeier. Es ist wie ein zusammensitzen und essen und trinken, ein miteinander tanzen und genießen; das tut man normalerweise bei einer Hochzeitsfeier. Und dieses Bild gibt uns Jesus, wenn er über die Realität des Himmels spricht.

Nur glaubt der Mensch daran? Jaaaa, glauben Christen noch daran??? Glaube ich daran? Nun, der Glaube ist schon da, dass es einen Herrgott gibt und dass es irgendwie weitergehen wird, nach diesem Leben, nach unserem Tod. Dieser Glaube ist also da, wie die Lampe, die die Jungfrauen im Evangelium bei sich haben, als sie dem Bräutigam entgegengehen. Diese Lampe lässt man sich geben, oder sie wird einem gegeben als Baby bei der Taufe. Man hat einen Taufschein, man hat eine Lampe, die aber nicht viel nutzt, haben wir im Evangelium gehört, wenn ich kein Öl dabei habe, damit sie auch brennt und leuchtet. Als Taufscheinchrist holt man sich ab und zu etwas Öl für diese Lampe bei der Erstkommunionfeier, vielleicht bei der Firmung und eventuell bei der Trauung. Vielleicht dann auch zu Ostern und zu Weihnachten in einem Gottesdienst oder in einer Andacht. Aber damit ist es auch getan. Und Sie werden nun vielleicht auch merken, was dieses Öl bedeutet, das nötig ist, um die Lampe leuchten zu lassen. Es ist die gelebte Beziehung zu Gott und das Vertrauen auf Jesus. Dieses Öl ist das Hinhören auf Gott und das Reden mit ihm im Gebet, im Gottesdienst, in meinem eigenen Entscheiden und Handeln vor den Herausforderungen des Lebens. Diese Öl-Reserve ist das Rechnen mit Gott in meinem Leben und das nicht als vage Ahnung, sondern begründet auf das, was Er uns offenbart hat und gezeigt hat in seinem Sohn. Das Rechnen mit seiner Vorsehung für mein Leben, mit seinem Heilsplan für mich, mit seinen Geboten und Weisungen. Vor allem aber mit seiner Liebe. Es wird nicht irgendwie gehen, nach dem Tod. Es ist er, mein Heiland und Herr der mir entgegenkommt und mich aufnimmt in seinem Himmelreich; er, der Heiland, der für mich, aus Liebe zu mir Mensch wurde in einem Viehstall und der aus Liebe für mich das Kreuz auf sich nahm, gekreuzigt wurde und starb, damit ich der Macht des Todes entrissen werde. Und diesem Heiland und Herrn seine Liebe zu erwidern, seine Liebe mir immer wieder vor Augen zu führen und zu vergegenwärtigen, das ist vorsorgen, das bedeutet auch Öl für die Lampe des Glaubens mitnehmen. Jeder Eucharistie, die wir feiern, ist nicht eine Gefälligkeit, die wir Gott bringen oder ein Erfüllen eines Gebots oder einer Tradition. Bei jeder Eucharistiefeier stellen wir uns mit Maria, seiner Mutter und mit Johannes, dem Jünger Jesu unter das Kreuz Jesu. Bei jeder Eucharistiefeier nehmen wir im Voraus Anteil an seiner Auferstehung. Hier lassen wir uns einbeziehen in das Geheimnis der Liebe Gottes, in seinen Heilsplan mit uns, mit unserer Welt. Nach der Wandlung beten wir: Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit.

Liebe Schwestern und Brüder, vorsorgen ist eine weise notwendige Handlung, die uns auf der materiellen Ebene unserer Lebensplanung vom klein auf fast eingetrichtert wird. Das gleiche gilt aber auch und vor allem auf der seelische Ebene. Dafür brauchen wir Menschen, die uns wie Philip Neri weise fragen: Und dann? Wie schaut deine Lebensplanung aus dann, wenn du glaubst, dass Gott einen geheimnisvollen aber gut ausgehenden Plan mit Dir hat: das ewige Leben bei ihm. Dafür lohnt es sich seinen Lieben, seinen Mitmenschen mal auf die Nerven zu gehen und ihnen die Frage zu stellen: Und dann? Mit dem Hinweis auf Ihn, der uns zur Hochzeit in seinem Himmelreich einlädt, Amen!