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Bitte um Segen für Arbeit und Landwirtschaft - Etwa 50 Bittgänger pilgerten am 1. Mai von Piding auf den Johannishögl

Traditionell beteten die Gläubigen in den „Bittgängen“ für Gottes Segen in vielen Anliegen, vor allem für die Früchte der Erde und das menschliche Schaffen. Daran knüpfte die diesjährige Bittprozession der Pfarrei Piding auf den Johannishögl unter Leitung von Marianne Aicher an. Beeindruckt zeigte sich die Gemeindereferentin über die zahlreiche Teilnahme von an die 50 Gläubigen, darunter auch einige Jugendliche, die oben bei der Messe ministrierten.

     „Wir bitten Gott für unsere Welt, für die Früchte der Erde und das tägliche Brot.

Wir tun das, weil wir wissen, wie sehr das Entscheidende für unser Leben nicht selbstverständlich ist.“, sagte Aicher. Alles sei letztlich Geschenk des Schöpfers, auch Wachstum und Fruchtbarkeit. „Aller wissenschaftlicher und technischer Fortschritt wird um so fragwürdiger, je mehr wir dabei unsere eigentliche Lebensgrundlage aus dem Blick verlieren“, ergänzte Aicher. Sie lud dazu ein, um diese Lebensbasis zu bitten, aber auch für die eigene Arbeit, die rechte Einstellung, die Gnade der Umkehr und Hinwendung zu Gott und sein „großartiges schöpferisches Werk“.

     Das Kreuz trug eine Ministrantin voran. Bei strahlender Sonne ging es steil bergauf durch den Wald, aus dem die Laubbäume mit ihrem hellen Grün hervorstachen, und vorbei an saftigen Wiesen vor dem Panorama des noch schneebedeckten Untersberg und der „Schlafenden Hexe“.

   Auf dem Weg wurde abwechselnd der Rosenkranz gebetet, und zwar diesmal mit etwas anderen „Geheimnissen“ rund um die Schöpfung, wie „Jesus, auf den hin alles geschaffen ist“, „...durch dessen Taufe die Wasser geheiligt wurden“ oder „.. der als Weizenkorn unter die Erde gesenkt wurde“. Auch Liedrufe wie „Geh mit uns auf unserm Weg“, Etappen des Schweigens und ein Austausch in Zweiergruppen strukturierten den Aufstieg.

     An vier Stellen blieb die Gruppe zu Stationen stehen, mitgestaltet von verschiedenen Sprecherinnen und Vorbetern. Die erste Station galt dem Thema Arbeit. Nach der Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther über die verschiedenen Gnadengaben galt das Fürbittgebet unter anderem den Arbeitslosen und denen, die wegen Krankheit oder Alter nicht mehr arbeiten können, allen die mit Niedriglöhnen ausgebeutet werden und allen, die in leitender Funktion über andere zu bestimmen haben. In ähnlicher Weise wurde an der zweiten Station um Segen für die Landwirtschaft, an der dritten Station für die verschiedenen Lebensalter und an der vierten Station für den Frieden in der Welt gebetet.

     Vor der Kirchenmauer am Johannishögl erwartete Pfarrer Ionel Anghel die Wallfahrer. Musikalisch gestaltet von Anni Utz an der Orgel und mit Volksgesang, zelebrierte Anghel einen Festgottesdienst zu Ehren der Gottesmutter Maria und Schutzfrau Bayerns, die er in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte. Das Motiv von Maria als Beschützerin finde sich bereits im ältesten überlieferten Mariengebet, das im Kern bis ins 3. Jahrhundert zurück geht: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin...“ Maria als Fürsprecherin bei Gott – das könne für andere Religionen und Konfessionen, aber auch theologisch fragwürdig erscheinen: „Ist Jesus nicht der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen?“, diese Frage stellte Anghel in den Raum.

   Erklärend führte er aus, die Kirche sei eine „Solidargemeinschaft“, zu der alle Christen auf dieser Erde, aber auch jede, die vor uns gelebt haben, gehörten. Er äußerte die Hoffnung, dass auch die Heiligen und die Gottesmutter nicht in „starrer Glückseligkeit“ verharrten, sondern weiterhin Anteil nähmen an unseren Sorgen und Freuden, an unserem menschlichen Leben. „Das macht eine Gemeinschaft, eine Mutter aus.“ Als Symbol für diesen „Glaubensschatz“, dass Maria für uns eintritt, deutete er das von ihm bei der Messe getragene alte Messgewand von 1914 mit Darstellung der „Patrona Bavariä“ und dem Schriftzug „Ora pro nobis“ in kostbaren Stickereien. Es sei schade, wenn solche Schätze nie genutzt würden. „Genau so ist es mit unseren Glaubensschätzen.“ Der Priester ermutige die Gläubigen, von Gott und Maria immer wieder Segen zu erbitten.   

Bericht und Bilder: Veronika Mergenthal