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4. Fastensonntag - Evangelium und Gedanken von Pfarrer Anghel

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 3, 14–21).
In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus: Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat. Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.

Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.


Liebe Schwestern und Brüder, ich begrüße Sie an diesem 4. Fastensonntag
Seit der Zeit, als die Heilige Messe noch lateinisch gefeiert wurde, trägt dieser 4. Sonntag in der Fastenzeit den Namen „Laetare“, das heißt: „Freue dich!“ Mitten in der Fastenzeit wird uns so gesagt: Wir sollen uns freuen! In den letzten Jahren ist die Freude immer mehr zur Überschrift über wichtige Dokumente des Glaubens geworden. So trägt eine Konstitution des letzten Konzils den Titel „Gaudium et spes“ (Freude und Hoffnung). Und Papst Franziskus hat eine seiner ersten Enzykliken überschrieben mit „Evangelii Gaudium“ (Freude des Evangeliums).
Die Sehnsucht nach einer Freude, die nicht vergeht, ist groß in der Welt. Wir Christen glauben daran, dass wir tiefe, anhaltende Freude in der Christus Nachfolge finden, in der Verbindung mit ihm und schöpfend aus seiner Liebe zu uns, die uns im heutigen Evangelium besonders verkündet wird!
„Schwerkraft“ Liebe
Eine der großen schöpferischen Kräfte im Universum ist die Schwerkraft. Ohne die Schwerkraft würde der ganze Kosmos auseinanderdriften und zerbröckeln. Moderne Naturwissenschaftler gebrauchen mittlerweile, wenn sie von den Anziehungskräften im galaktischen wie im subatomaren Bereich sprechen, das Wort „Liebe“. Sie vergleichen den Zusammenhalt der menschlichen Gesellschaft mit der Schwerkraft, die das Universum, wie auch die Atome zusammenhält.
Die Liebe ist also eine Anziehungskraft. Jesus spricht auch davon: Wenn ich am Kreuz erhöht werde, dann werde ich alle zu mir ziehen. Sein Leiden und Tod am Kreuz ist also anziehende Kraft der Liebe. Seine Hingabe am Kreuz ist die Liebe, die Schwerkraft, die uns Menschen am Leben hält und stellt sich dem Prinzip des Bösen entgegen, der schon immer versucht: divide et impera: spalte, reiße auseinander und dann herrsche.
Zu diese Liebe Gottes zu uns werden wir heute in den Lesungen erinnert und nicht nur erinnert, sondern auch ermutigt diese Liebe auch selbst zu leben.
Mutterliebe
Der von Geburt an schwerhörige Thomas Edison brachte einmal als Kind aus der Schule einen verschlossenen Brief nach Hause und gab ihn seiner Mutter.
Die Mutter hatte Tränen in den Augen, als sie ihm den Brief laut vorlas: „Ihr Sohn ist ein Genie. Die Schule ist zu klein und hat keine Lehrer, die gut genug sind, ihn zu unterrichten. Bitte unterrichten Sie ihn selbst.“
Viele Jahre später fand Edison diesen Brief und las ihn zum ersten Mal selber: „Ihr Sohn ist geistig behindert. Wir können ihn nicht in unserer Schule behalten“, so stand tatsächlich da zu lesen. Edison war vor Überraschung und Berührung überwältigt. Seine Mutter hatte ihm den wahren Inhalt des Briefes nie verraten. Durch den Glauben an ihren Sohn und ihre Liebe war er zum größten Genie des Jahrhunderts geworden.
Ich muss in Anlehnung daran an die Aussage von P. Leopold von Maria Eck denken, nämlich:
Wir singen ahnungslos, ohne groß darüber nachzudenken oder es ernst zu nehmen im Fasching das Lied: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmeln, weil wir so brav sind, weil wir so brav sind.“ Der Inhalt stimmt zur Hälfte. Wir kommen in den Himmeln, aber nicht weil wir so brav sind, sondern weil Gott so gut ist.
Denken wir vielleicht in dieser kommenden Woche immer wieder darüber, was wir in den Lesungen heute hörten: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingab, damit jeder der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Und lassen uns diese Aussage, immer wieder Ansporn zum Lieben und zur Grund der Freude werden, Amen!