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Predigt zum 3. Fastensonntag von Diakon Peter Walter

Wer ist Jesus eigentlich für mich? Wie dat ich’n  beschreiben? Was hat er getan? Ist er a Vorbild für mich? Wenn, ja warum? Was dat's ihr drauf antworten?                 
Arno Backhaus - christlicher Liedermacher und Autor – hat dazu folgendes geschrieben: Alle Armeen, die jemals marschierten, alle Schiffe, die jemals segelten, alle Parlamente, die jemals tagten, alle Könige, die jemals regierten - alles das zusammengenommen, haben das Leben des Menschen auf Erden nie so bewegt, wie Jesus. Heute, zweitausend Jahre nach seinem Tod, lebt er noch immer, verändert Leben und bringt neue Hoffnung. (aus Arno Backhaus: Lieber Lachfalten als Tränensäcke)
Und dieser Jesus, den wir als einfühlsam, geduldig, gerecht und menschennah kennen - man hätt’s ned glaubt – zeigt sich im Evangelium heut' von a ganz andren Seite und hat ganz sche higlangt. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb die Verkäufer aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um.
Jesus is ogfressn und stinksauer … er red ned hintenrum, sondern nennt die Dinge beim Namen ... und haut im wahrsten Sinn des Wortes aufn Tisch.  Habt's ihr des eigentlich a scho moi do?                                                                                                           
Schafft das hier weg, ihr macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Kauf, Tausch, Grusch, Ratscherei, Tieropfer … Stallgeruch. Ois des hat im Tempel Vorrang - es stinkt im wahrsten Sinn des Wortes - zum Himmi. Nichts ist mit Ehrfurcht, Gebet und die Sorge um all die, dene s’Wasser bis zum Hals steht.  „Profit statt Prophet“ - so könnt ma sagn … und dagegen geht Jesus knallhart vor.
Kirchenaustritte steigen, Pfarrverbände werden größer, Berufungen - auch von Ehrenamtlichen – werden weniger. A „Gesamtstrategie-prozess“ und Pastoralkonzepte miassn sein, Online Befragungen, Statistiken, Formulare und Anträge werden mehr … (die Einteilung in Firmgruppen nach bestimmtem Auswahlkriterien is oftmals scho im Vorfeld wichtiger, als „des“ … worum’s eigentlich geht“.)                    
Es gibt gnuag Herausforderungen und Aufgaben und scheinbar auch  so  vui „Wahrheiten“. Aber was ist wirklich wichtig?
A Frage, die auch wir uns als Christen oiwei wieder stellen müssen bzw.  … miassatn … ned nur jetzt in dieser Zeit der Neuorientierung und Besinnung vor Ostern. Was ist wirklich wichtig für mein Leben als Christ, auf was kimmt’s eigentlich o?  
Oder anders formuliert: wo und warum miassat Jesus - so wie im Tempel damals - heut' vielleicht amoi "ausmisten" … bei uns – oiso bei mir … bei euch – und ned zu vergessn … in da Amtskirch?                                         
Ausmisten im „Tempel unseres Herzens“ … vielleicht … Vorurteile, Neid, koa andre Meinung gelten lassen, oiwei s'letzte Wort habn wollen? " Ausmisten" vielleicht a des schon ewig lang Aufgeschobne, des Verdrängte … des, was endlich amoi gsagt ghörat.  Ausmisten im „Tempel unseres Herzens“ … halten wir eigentlich den Mund, wenn jemand unberechtigt fertig gmacht wird od. die Wahrheit verschleiert?                             
„Schafft das hier weg“ hat Jesus gsagt.Ist des ned vielleicht auch a Aufforderung an uns selbst?
Was ist mir als Christ wirklich wichtig? Reicht das Erfüllen der „Sonntagspflicht“ als Gottes Dienst?
Albert Schweizer hat's aufn Punkt bracht und gsagt: wer glaubt ein Christ zu sein, weil er sonntags in die Kirche geht, der irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.
Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! (Mt 9,13). So hat's Jesus - in Anlehnung an den Propheten Hosea – damals gegenüber all dene auf’n Punkt bracht, die den Buchstaben geheiligt ham, aber das „Wesentliche“ … Gott und den Mitmenschen aus den Augen verloren haben.
A Tempel, der sich ned um die Menschen sorgt, ist ned der Tempel Jahwes. „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“ heißt ein Buch von Altbischof Jacques Gaillot. A Kirch, die nur um sich selbst kreist ist ned die Kirch’ Jesu.  Grad da miassat – im Sinne Jesu - a amoi aus-gmist wern. …              
Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus.
Es gibt koa Hören auf Gott ohne s’Hinhörn bzw. Hinschaun auf die Not, die Probleme und Sorgen der Menschen … und die "Werke der Barmherzigkeit" (Mt 25,34-40) san a heut no Auftrag an jede und jeden von uns.
Hungrige zu essen und Durstige zu trinken gebn, Flüchtlinge a menschenwürdiges Dach übern Kopf, Kranke besuchen und Traurige trösten.
Der Papst vom andern Ende der Welt hat den Namen Franziskus gewählt … und dieser Name ist Programm.
Seitdem wird er ned müd – so wie Jesus damals – „auszumisten“ und   auf schadhafte Stellen des „Tempels“ hinzuweisen … er wird ned müd und lässt a Ideen zum notwendigen „Renovierungsbedarf“ zu.
„Mir ist eine 'verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die auf-grund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“(Evangelii gaudium, Nov. 13, Nr. 49)
Unser aller gemeinsames Haus wird ungestraft ausgeplündert, ver-wüstet und misshandelt. Die Feigheit bei ihrer Verteidigung ist eine schwere Sünde. (Ansprache beim Welttreffen der Volksbewegungen in Bolivien, Juli 2015 )
„Die Kirche ist kein Käfig für den Heiligen Geist; der will raus und draußen wirken.“ (zum Abschluss der Fastenexerzitien für Papst und Kurie im Februar 2018)
Dennoch hab i manchmal den Eindruck, dass das “Wirken des Hl. Geistes“ bewusst eibremst wird, weil der zuständige „Bautrupp“ - ned nur im Vatikan – oafach zu schwerfällig ist.
„Es soll etwas geschehen“ hat Pfr. Stefan Jürgens passend gesagt, „aber es darf nichts passieren“. Und dabei denk i an den sog. Synodalen Weg, der vermutlich -  so denk i - in einer „römischen Sackgasse“ enden wird.
Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle und ich ergänz: macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markt-halle … eurer eigenen Interessen und Machtspiele.                                         
Und dabei denk i mit Bedauern an all die machtbesessenen Kleriker, die nur sich selbst weiden (Ez 34,2) und denen, die Herde davonläuft.
Was würd Jesus heut tun, wenn er kemma dat … zur … "Visitation"?
I glaub, er dat ned zuerst in d’Kirch zum GD geh, sondern zu dene mit dene koana was zum Tun haben will … zu dene, die der Lock-down fertig gmacht hat … finanziell und a psychisch. Er dat – und da bin i mir sicher – a  Partei ergreifen für die Menschen, die ihr Heimat ver-lassen ham (und menschenunwürdig in Lagern hausen müssen).
Bestimmt würd‘ sich in a Diskussion um geplante Gewerbegebiet miteinschalten und auf die uns geschenkte Schöpfung hinweisen.              
Orte der Stille und Ruhe dat er suchen … und dort beten.
Was dat Jesus - denk i mir oiwei wieder moi – heut a an vielleicht nimma zeitgemäßen kirchenrechtlichen Regelungen und Verord-nungen „vom Tisch fegen“?
Vielleicht dat er sagen: ihr habt das "Geheimnis unsres Glaubens" zu Tode verwaltet! Oiwei mehr Priester sind oder werden gezwungener-maßen Verwaltungsbeamte und Pastoralmanager und keine Seelsorger mehr.
Vielleicht würd er sagn: Ihr habt das Haus des Glaubens verunreinigt, indem ihr einen frommen Betrieb aufrecht erhält und die Frömmigkeit für wirtschaftliche Interessen benutzt. (Anselm Grün)
Welche Formulierungen unsrer Liturgie, welche Lieder aus unserem Gotteslob – denk i mir manchmal - dat er vielleicht verständlich und zeitgemäß formuliern?
Und in diesem Zusammenhang denk i an eine Aussage von Pfr. Stefan Jürgens: es ist Druck im Kirchenkessel. Die gut organisierte kathol-ische Kirche in Deutschland ist auf dem Weg in eine gut organisierte Bedeutungslosigkeit. Die Kirche ist weltfremd geworden und die Welt kirchenfremd. (Ausgeheuchelt -  Pfr Jürgens)  I erlebs oiwei wieder, dass das Bodenpersonal der Kirch’ deswegen oft über einen Kamm geschert wird … und dagegen wehre ich mich!!  Trotz allem mag’ ich diese Kirche!! und es is für mich a Geschenk meine Berufung als Diakon in dieser Kirch’ glaubwürdig für ALLE Menschen zu leben.
Wir als Christen – und es ist meiner Meinung nach unsre Aufgabe und Pflicht - können „all dem“ mit unserm glaubwürdig gelebten Christ-sein oiwei wieder entgegensteuern … ned nur sonntags beim GD … tagtäglich … oiwei wieder, vor allem in der Begegnung mit andern Menschen.
Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!                         
Ich glaub, dort, wo Menschen krank san und gsund werden, wo Menschen schuldig werden und Vergebung erfahren, dort, wo Außen-seiter akzeptiert und angenommen werden und ihren Platz im Zusam-menleben griagn … dort, wo Menschen auf Augenhöhe zuhören … dort geschehen auch heut noch Zeichen, die zum Glauben führen.
An Glauben – und des weiß a Jesus - hat koana wie an Ausweis in der Tasche, er wird ned weitergegeben wie ein Paket. Da Glaube braucht oiwei wieder neue Zeichen und vor allem das persönliche Zeugnis.
Das heutige Evangelium - rückt uns meiner Meinung nach ganz schön „auf'n Pelz“ - denn die da drin verstecktn Fragen sind Anfragen, die auch heut’ nach Antworten suchen.
Jesu Anliegen damals und heut: ois des wegschaffen, was der Begeg-nung mim Herrgott im Weg steht! Raum schaffen für Gebet, für Gottes Wort und seine Gegenwart.                                                                     
"Ausmisten" (vom Tisch fegen) von allem, was der Liebe zu Gott und den Nächsten im Weg steht, im Großen und im Kleinen.  
So gesehen, ist die „Tempelreinigung“ ein Auftrag für die Kirch' und somit a für jeden von uns, bis heute … ned nur in der Fastenzeit.