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Predigt zu Neujahr von Diakon Peter Walter

Zu koan Zeit im Jahr wird so vui gwünscht wie in der letzten Woch des Jahres: Frohe Weihnachten! Schöne Feiertage! Gesegnete Weihnachten. Und ein paar Tag später geht’s weiter: an guten Rutsch!  Kimm guad ummi!
Und heut am Neujahrstag heißt’s: a guads Neis, a gesegnetes Neues Jahr … oder … des Jahr kann nur besser werdn.

Wünsche bzw. Worte, die von Herzen kemman – ganz gleich wie’s formuliert san – tun gut. Und mit unserer Sprach’ - denk i mir manchmal - is uns Menschen aber auch a  ganzes Stück Verantwortung in Mund gelegt worn.

Und i woaß ned, wie’s eich geht, wenn man Worte hört, die oafach so daher gsagt und glei wieder vergessn wern -  i ruf di o – i lad di amoi ein – i bsuach di.  
Und a des kenn ma: jetzt kimmst dann aber moi vorbei! Duad ma des wirklich?  

Es gibt aber a Worte … ich habs selbst erlebt, als mein Vater im Krankenhaus war … des werd scho wieder …werst sehn, des schafft der scho. Koana hat’s bös gmoant, aber es is hoid nimma worn, er hat’s hoid ned gschafft, sondern Papa is an Hl. Abend gestorben.
Da wird der aber schaun – hat mei Mutter gesagt – wenn ich’s ihm sag, dass doch nimma wordn ist.
I hab mi in der Vorbereitung dieser Predigt oafach treiben lassen und mich gefragt – vielleicht tu’s des auch ihr -  warum erzählt da Peter des ois? Is des erbaulich am Neujahrstag? Mecht ma „so was“ hörn?
I denk es is realistisch und gehört zum Leben und manchmal tut’s gut – i habs jetzt selbst erlebt – dass zu Lebzeiten ausgesprochene Worte bzw. Wünsche hilfreich san … warum oiso a ned heut’ am Neujahrs-tag darüber nachzudenken.
Durch Zufall bin i in diesem Zusammenhang – grad jetzt - auf a Buch gestoßen … 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.                          
Ein internationaler Bestseller aus dem Jahr 2012 von Bronnie Ware, einer Australierin, die jahrelang als Palliativpflegerin gearbeitet hat. Sie hat todkranke Menschen in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Und oiwei wenn sie ihre Patienten gefragt hat, was sie in ihrem Leben bereut haben oder lieber anders gemacht hätten, sind meist die gleichen Themen zur Sprache gekommen.
Und deswegen möcht i diese Themen - oder besser gesagt diese Wünsche - mit eich anschaun.

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarteten.
Nichts haben die Sterbenden häufiger bereut, als dass sie ned das Leben geführt haben, das sie eigentlich hätten führen wollen. Die meisten ham ned amoi  die Hälfte ihrer Träume verwirklichen können. Wie ist des eigentlich bei uns?

2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
Nia hab i mir Zeit für des oder den genommen … hör i oiwei wieder … und jetzt? „Hätt i bloß“ … war oane der häufigsten Aussagen in meinen 20 Berufsjahren in der Rehaklinik, die ich gehört hab.

3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
In den Gesprächen -  so schreibt Ware - hab ich erlebt, dass viele Menschen jahrzehntelang ihre Gefühle aus Angst oder um des lieben Friedens willen unterdrückten. Sie trugen immer mehr Verbitterung und Groll mit sich herum, bis sie krank wurden.
Und wie wichtig is grad bei der Verabschiedung eines lb. Menschen in der Trauer seinen Gefühlen Raum zu geben und sie zuzulassen … ich habs selbst erlebt … und „die Tränen san wirklich die Waschmaschine der Seele“ … und dafür muss sich koana schämen.

4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.
I erleb’s oiwei wieder, dass Menschen darunter leiden, weil die sozialen Kontakte irgendwann weg gebrochen, aber a oft aus irgend-oam Grund eingschlafa san … weil vielleicht „des oder des“ oiwei vui wichtiger war. Warum ned oafach moi an Kontakt wiederherstellen … vielleicht scho bevor ma irgendwann a Karte zur „herzlichen Anteil-nahme“ in einem Todesfall verschickt.

5. Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.
Nach Bronnie Wares Erfahrung erkennen vui Menschen erst am Sterbebett, dass jeder selbst entscheidet … glücklich oder unzufrieden zu sein. Man kann neugierig und mit einem Lächeln durchs Leben gehn oder man kann an allem etwas auszusetzen haben und ois nur negativ sehn.
Finde heraus -  schreibt die Autorin am Schluss des Buches – und i glaub das gilt für jede und jeden von uns … vielleicht grad am Beginn eines neuen Jahres - Finde heraus was für Dich wichtig ist im Leben. Dann kannst Du Dich Tag für Tag darauf konzentrieren.                           
Und am Ende Deiner Tage wirst Du nichts bereuen.


Lb. Leser/innen                                                                                                      
Wir wissen es ...  warum ändern wir nichts?   hat George Carlin anlässlich des Todes seiner Frau geschrieben …                                                 
Vergesst nicht mehr Zeit denen zu schenken,
die Ihr liebt,
weil sie nicht immer
mit Euch sein werden.

Sagt ein gutes Wort denen,
die Euch jetzt voll Begeisterung
von unten her anschauen,
weil diese kleinen Geschöpfe bald erwachsen werden
und nicht mehr bei Euch sein werden.

Schenkt dem Menschen neben Euch
eine heiße Umarmung,
denn sie ist der einzige Schatz,
der von Eurem Herzen kommt und Euch nichts kostet.

Sagt dem geliebten Menschen:
Ich liebe Dich
und meint es auch so.

Ein Kuss und eine Umarmung,
die von Herzen kommen,
können alles Böse wiedergutmachen.                                                                                                 
Schätzt die Augenblicke,
wo Ihr zusammen seid,
denn eines Tages wird dieser Mensch
nicht mehr neben Euch sein.

Findet Zeit, Euch zu lieben,
findet Zeit, miteinander zu sprechen,
findet Zeit, alles was Ihr zu sagen habt
miteinander zu teilen,
- denn das Leben wird nicht gemessen
an der Anzahl der Atemzüge,
sondern an der Anzahl der Augenblicke,
die uns des Atems berauben.

Ein Text, der mich sehr nachdenklich gemacht hat …                          
Schätzt die Augenblicke, wo Ihr zusammen seid.                                    
Findet Zeit, miteinander zu sprechen, findet Zeit, alles was Ihr zu sagen habt miteinander zu teilen …
Und ich ergänz diese Zeilen heut’ am Welttag des Friedens: Findet Zeit schließt Frieden, Findet Zeit einander zu vergeben und findet Zeit am Herrgott für ois zu danken und findet Zeit euren Glauben zu leben.
I wünsch ich euch allen – auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria – a gesegnetes Neues Jahr.


Gott, Herr unserer Stunden und Tage, wir wissen nicht, was uns in diesem Jahr erwartet. Aber wir hoffen auf dein Weggeleit und bitten dich:

Wir beten für alle, die mit Hoffnung und Zuversicht ins Neue Jahr gehen. Herr, unser Gott: Antwortruf: Begleite sie

Wir beten für alle, die ängstlich und sorgenvoll in die Zukunft schauen. Herr, unser Gott:

Wir beten für alle, die große Pläne geschmiedet und sich hohe Ziele gesteckt haben. Herr, unser Gott:

Wir beten für Papst Franziskus und alle, die glaubwürdig das Evangelium verkünden und danach leben. Herr, unser Gott:

Wir beten für alle, die Verantwortung tragen für den Frieden in der Welt und alle die sich für den Erhalt unserer Schöpfung einsetzen. Herr, unser Gott:

Wir beten für alle, die sich für einsame, kranke, behinderte und sterbende Menschen einsetzen und sie begleiten.  Herr, unser Gott:

Wir beten für alle Menschen, die in den Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern dieser Welt auf eine bessere Zukunft hoffen. Herr, unser Gott:

Wir beten für alle Menschen, an die wir gerade besonders denken und die wir vermissen. Herr, unser Gott:

Komm und begleite auch uns, darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen