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Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis von Pfarrer Anghel

Liebe Schwestern und Brüder!

Die klare Aufforderung dieses Gleichnisses an die Jünger damals und an uns heute ist: "Macht etwas aus dem, was Euch anvertraut ist!" Die Talente, die Jesus im Gleichnis erwähnt, sind nicht Summen von Geld. Die Talente sind allerlei Gaben, die uns geschenkt worden sind, Begabungen, die jeder Mensch hat und vor allem die Möglichkeiten, die einem jeden gegeben werden, um etwas Gutes zu tun. Diese Talente besitzt jeder, ob arm, ob reich, ob jung, ob alt.

Nicht das Geld vermehren meint also Jesus hier, sondern die eigenen Begabungen und Möglichkeiten einsetzen, um damit die Freude am Leben für sich und für andere zu vermehren.

Im Gleichnis hörten wir, dass diese sich vermehren, wenn sie eingesetzt werden. Der mit fünf Talenten hat noch fünf gewonnen, der mit zwei hat noch zwei, nur der mit einem hat mit den Zähnen knirschen müssen, weil er sein Talent nicht eingesetzt hat. Der letzte Satz im heutigen Evangelium hat Sie bestimmt auch nachdenklich gemacht, als dieser eine Knecht hinausgeworfen wurde und mit den Zähnen geknirscht hat ... Dieser Satz hat mich an eine persönliche Situation erinnert, in der ich selber eine Zeit lang mit den Zähnen geknirscht habe. Es geschah vor ein paar Jahre in meinem Heimaturlaub, als ich unterwegs war mit einem kleinen Bus. Kurz nach der rumänischen Grenze trampten 4 Jugendliche. Als ich sie sah, überlegte ich, soll ich anhalten und sie mitnehmen? Ich hab aber das Gepäck hinten unordentlich eingeräumt. Bis ich Platz mache, vergeht die Zeit. Dann sehen sie auch die ganze Unordnung im Auto. Wer weiß wohin sie wollen und dann liegt ihr Ziel nicht auf meiner Strecke. Als ich vorbei fuhr, sah ich in ihren Gesichtern doch die große Hoffnung, dass ich anhalte. Ich hielt aber nicht an, von meinem blöden inneren Hin- und Herüberlegen gedrängt. Nachher habe noch ein, zwei Tage lang mit den Zähnen geknirscht, aus Bedauern und schlechtem Gewissen, dass ich sie ein Stück Weg nicht mitgenommen habe, obwohl ich Platz gehabt hätte und auch noch Zeit. Ich fuhr doch in Urlaub.

So denke ich, liebe Schwestern und Brüder, spricht Jesus hier diese unsere einfachen Möglichkeiten an, Gutes zu tun, die wir manchmal verpassen. Dieser letzte Satz aus dem heutigen Evangelium wird manchmal weggelassen, um wohlgemeint keine Ängste in uns zu schüren. Wohlgemeint ist aber nicht immer wohlgetan. Denn er ist doch wohltuend, wenn er uns mahnt, Ängste und Bequemlichkeiten in uns zu vertreiben, damit wir das Gute vermehren, und dadurch das Zähneknirschen vermeiden.

Die Zeit auf dieser Erde sahen die Heiligen als die Zeit, in der wir helfen können, uns hingeben, aufopfern, herzlich einsetzen für Mitmenschen, die arm, krank, leidend, niedergeschlagen oder heimatlos sind. In dieser Zeit können wir Barmherzigkeit, Nachsicht, Vergebung, Mitempfinden an und mit unserem Nächsten ausüben. Nach diesem Leben treten wir in die Ewigkeit, wo es keine Not und kein Leid mehr zum Trösten und zum Heilen gibt. Diese besondere Tugenden, die uns Gott ähnlich machen, können wir nur in diesem Leben leben. Die große Weltgeschichte können wir vielleicht teils ändern, wenn einer durch seine viele Talente einen großen Mann oder eine große Frau wird. Für das Schreiben der kleinen Weltgeschichte aber, in unserer Familien, in unserer Schulklasse, in unserer Gemeinde, brauchen wir weder das große Geld noch die tollsten Begabungen.

Es reicht manchmal nur das eine Talent von fünf oder von zwei oder von einem, nämlich das Talent der Mitmenschlichkeit, der aufrichtigen Wahrnehmung des anderen, auch wenn er mir unbekannt ist. Es reicht ein gutes Wort, ein Nachfrage nach dem Befinden des anderen. Es reicht eine hilfsbereite Hand. Es reicht auch nur das Holen des anderen aus seiner Einsamkeit und Eigenbrötelei. Das erfordert aber Mut und Einsatzbereitschaft, welche die Gegensätze von Gedankenlosigkeit, Ignoranz und Angst sind. Das fordert Jesus aber von uns. Darin macht er uns Mut. Die Welt ist gesättigt von coolen Leute, die sich selbst ausreichen. Das Leben wird spannender, freudenreicher durch einen herzlichen Einsatz. Mein Knirschen mit den Zähnen damals hat mich ein Stück weit mehr gelehrt, achtsamer mit den Gelegenheiten umzugehen, das Gute zu tun. Und dafür hat jeder von uns noch Zeit, die Zeit seines Lebens. Amen!

Von Erma Bombeck, einer Frau, die den Kampf gegen den Brustkrebs verloren hatte, stammt folgender Text:

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte
Ich würde im Bett liegen, wenn ich krank bin, anstatt zu denken, die Welt steht still, wenn ich für einen Tag nicht da bin.
Ich würde die schöne Kerze anzünden, bevor sie in der Vitrine schmilzt.
Ich würde weniger reden und mehr zuhören.
Ich würde Freunde zum Essen einladen, auch wenn der Teppich fleckig und das Sofa verschlissen ist.
Ich würde mir Zeit nehmen, meinem Großvater zuzuhören, wenn er gedankliche Streifzüge durch seine Jugend unternimmt.
Ich würde meinem Ehemann mehr helfen, die Verantwortung zu tragen.

Ich würde mit meinen Kindern im Gras sitzen und mir keine Gedanken über die Grasflecken machen.
Ich würde weniger heulen und lachen, während ich TV schaue, aber mehr, während ich das richtige Leben beobachte.
Ich würde nichts mehr kaufen, nur weil es praktisch ist, nicht verschmutzt oder eine lebenslange Garantie hat.
Ich würde mir die 9 Monate der Schwangerschaft nicht mehr wegwünschen, sondern jeden Moment geniessen und realisieren, dass das Wunder des Wachsens in mir die einzige Möglichkeit ist, Gott bei einem Wunder zu unterstützen!
Wenn meine Kinder mich heftig küssen wollen, würde ich nie mehr sagen: "Später, geht jetzt und wascht euch die Hände, wir essen gleich." 
Es würde mehr "ich liebe Dich", mehr "Es tut mir leid" geben.
Aber vor allem würde ich, wenn ich nochmals eine Chance im Leben hätte, jede Minute auskosten, anschauen und sie wirklich sehen ... sie leben ... und niemals zurück geben. Ich würde mich nicht mehr mit Kleinigkeiten abgeben und darüber klagen. Ich würde mir keine Gedanken mehr machen über jene, dich mich nicht mögen, mehr besitzen oder über das, was sie tun. Stattdessen würde ich an die Dinge denken, mit denen Gott uns gesegnet hat. Und was ich jeden Tag tun könnte, um mich selbst mental, physisch, emotional und geistig zu fördern. Das Leben ist zu kurz, um es einfach vorbeiziehen zu lassen. Wir haben nur dieses eine und dann kommt die Ewigkeit, die Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gehört. Bis dahin kann ich aber all das noch vollbringen.“