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Der Grabbesuch an Allerheiligen - Gedanken von Pfarrer Anghel

Die inneren Empfindungen bei manchen Ereignissen kann man nicht immer in Worte fassen. Wir spüren dabei etwas, besonders in unseren Herzen. Wir können dem aber nicht immer Ausdruck verleihen. So ein Ereignis ist der Grabbesuch allein oder an Allerheiligen mit Familienangehörigen. Was geht uns dabei durch den Kopf? Oder besser gesagt durch Mark und Magen…?

In der Zeitschrift „Die Botschaft heute“ (S. 330) fand ich einen aussagestarken Artikel in dieser Richtung: „Allerheiligen/Allerseelen“:

„Ich werde dieses Jahr am Grab meiner Mutter stehen, vielleicht auch schon am Grab meines Vaters, dem es nicht gut geht. Das ist eine ganz besondere Zeit für jeden Menschen, weil Vergangenheit und Zukunft des eigenen Lebens am Prüfstand stehen. Die Vergangenheit als Sohn oder Tochter endet, und die Zukunft als Generation am Rande der Ewigkeit beginnt.

Viele, die Ihre Angehörigen, die sie lieb haben, beim Sterben begleiten, werden von ähnlichen Gefühlen belastet. Es ist Schwerarbeit, den Schmerz über den Verlust des Lebens mitzutragen. Alle schlimmen Zeiten kommen noch einmal ins Bewusstsein, und die Gewissheit, nichts mehr daran ändern zu können, schmerzt manchmal mehr als körperliche Krankheitssymptome.

Wenn ich am Grab meiner Lieben stehe, rufe ich mir in Erinnerung, was ich einem Freund beim Tod seiner Mutter geschrieben habe. Worte, von denen ich hoffe, dass sie auch meinen Sohn trösten, wenn er irgendwann zu Allerheiligen am Grab seiner Eltern stehen wird.

Unsere Eltern sind nicht tot, wenn sie sterben. Sie verlassen nur die Grenzen ihres Körpers, um ihrer Liebe Raum zu geben über die Erde und darüber hinaus.

So können wie immer einen warmen Mantel der Geborgenheit um Generationen legen, überall dort, wo diese zu Hause sind.

Die eigene Wohnung scheint leer zu sein, und ganz vieles werden wir sehr vermissen. Bei manchen Dingen tut es uns leid, dass wir sie aufgeschoben haben.

Vieles von ihrem Wissen verschluckt die Zeit, das Meiste von ihren Schmerzen können wir nur erahnen, und nicht alle ihrer unerfüllten Hoffnungen können wir an ihrer Stelle erfüllen, auch wenn es uns ein Herzensanliegen ist.

So können wir nur mit weit offenen Augen durch unser Leben gehen, die Zeichen der Liebe in Wolken geschrieben lesen, den Bäumen lauschen, die ihre Grüße übersetzen und ihnen mehr von uns erzählen, als wir es zu ihren Lebzeiten jemals gewagt hätten.“ - Elisabeth Ziegler-Duregger

Kurt Josef Wecker schreibt ebenfalls in der Zeitschrift: „Meine eigene Lebenszeit verläuft linear und wiederholt sich nicht; sie will befruchtet werden (durch Ereignisse) vom Kirchenjahr, das viel Beständiges bereithält. Im November gönnen wir uns „Ewigkeits-Ausblicke“. Ich muss mich daran erinnern lassen, dass ich „zwischen den Zeiten“ lebe. Ich habe keinen festen Wohnsitz in der Zeit. Wir werden also (linear) an die Grenzen von Zeit und Raum geführt. Wem gehört die Zeit? Der israelische Aphoristiker Elazar Benyoetz sagt: „Die letzten Dinge vertragen keine letzten Worte.“ Finden wir gute Worte in dieser Übergangszeit.“ (S. 328)

So wünsche ich Ihnen auch, dass Sie nicht nur gute Worte sondern auch hoffnungsvolle, gute Empfindungen beim Grabbesuch Ihrer verstorbenen Angehörigen haben!