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Gedanken zum Weltmissionssonntag von Pfarrer Anghel

Was sagt mir der Begriff Mission im Kontext meines christlichen Glaubens? Diese Frage scheint mir der richtigen Schlüssel zu sein, um die Bedeutung des Weltmissionssonntags verstehen zu können. Seit 1926 wird in der Kirche am letzten Sonntag im Oktober der „Tag der Weltmission“ begangen. Das Motto dieses Jahres ist: „Selig, die Frieden stiften“. Schwerpunktregion der Missio-Aktion ist in diesem Jahr Westafrika. Botschaft des Evangeliums an diesem Sonntag sind die Gottesliebe und die Nächstenliebe. Die Corona-Zeit hat uns sehen lassen, wie unterschiedlich Menschen lieben, wenn es eng wird: im Sorgen füreinander, in Hamsterkäufen, im Akzeptieren von Regeln, in Gebetsnetzwerken ... je nachdem, welche innere Grundlage und Lebensphilosophie der Angst, der Sorge, auch zum Teil der Verwirrung entgegengesetzt wird ...

Das Thema „Mission“ ist ein Thema, das nicht nur Ordensleute, die als Missionare in entfernten Ländern wirken, sondern jeden Christen betrifft. Deswegen feiern wir (für gewöhnlich) auch in den Pfarreien mit einem Gottesdienst den Weltmissionssonntag, damit dieser Urauftrag Jesu uns allen bewusst wird. Im Matthäusevangelium hat dieser Auftrag seine ausdrückliche Grundlage. Nach seiner Auferstehung sagt Jesus seinen Jüngern: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mt. 16,15) Das Evangelium ist die Frohe Botschaft des „Fürchtet euch nicht!“, „Das Reich Gottes ist euch nahe … es ist in Euch …!“, „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!“… „Und so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern das ewige Leben hat.“ Und es gibt viel Ermutigendes, Hoffnungsvolles, Tröstendes und Starkmachendes, das das Evangelium so beinhaltet und sehr würdig und notwendig zur Verkündigung ist! Dafür tritt der Weltmissionssonntag ein. Deshalb die christliche Mission!

Jedoch, Mission, Missionierung hat in unserer Zeit einen herben Beigeschmack. Es wird mit der Kolonialisierung der Welt von Europa aus verbunden. Es wird auch als ein Überstülpen der eigenen Kultur mit oder ohne Gewalt anderen Völkern und Menschen gegenüber verstanden. Von diesem Verständnis aus und von negativen Erfahrungen aus der Geschichte verlor die Mission an Wert in unserer eigenen christlichen Kultur. Im Namen der Toleranz wird nun mehr das Prinzip des „leben und leben lassen“ propagiert. Für manche Bereiche unseres Lebens gilt dieses Prinzip voll und ganz: De gustibus et coloribus non est disputandum. (Über Geschmäcke und Farben kann man nicht streiten.) Obwohl durch die heutige Globalisierung sich, „missionierend“, eine „Uniformisierung“ der Geschmäcke und Farben im eigenen Kulturkreis einschleicht. McDonalds und Burgerking verbreiten fast in jedem Land der Erde die amerikanische Essenkultur. Unterhaltungsangebote wie „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ oder „Big Brother“ und Co versuchen auf der ganze Welt die Menschen - manchmal unter dem Niveau - zu unterhalten. Und mit Hilfe der Sozialen Netzwerke und des Internets wird in manchen Nahost-Ländern auch politisch Frühling, was sich auch positiv in einem Austausch von Kulturellem zeigen lässt.

Mission könnte man im Kontext unserer heutigen Welt mit all ihren Angeboten zur Lebensplanung und Gestaltung so verstehen wie ein Anbieten des eigenen Vorschlags. Auf dem großen Markt der Angebote ist heutzutage auch das Christentum nur eins unter anderen geworden und hat als Konkurrenten nicht nur die Anbieter anderer Religionen, sondern auch andere Lebensphilosophien, die ohne Gott auskommen wollen. Das Problem der christlichen Mission ist aber nicht so sehr die Konkurrenz der anderen Anbieter, auch nicht die Toleranz gegenüber anderer Weltansichten. Für ihre Wahrhaftigkeit muss sie sogar diese Toleranz beinhalten, um Fehler aus früheren Zeiten zu vermeiden! Besteht die Schwierigkeit der christlichen Mission nicht eher im Verlust ihrer Inhalts-Kenntnis, Praxis und somit eines inneren Zweifelns und Verzagtheit? Und hiermit stellt sich die Frage für jeden Christ: Wer ist Jesus Christus für mich und wie verbindlich sind seine Wegweisungen für mein Leben in dieser unserer Welt, in der Fülle der Angebote zur Gestaltung und Planung meines Lebens?

In der Tat braucht die Welt, brauchen alle Geschöpfe heute wie zu jeder Zeit die Verkündigung des Evangeliums! Verkündigung durch Tat und Wort, dessen was Jesus Christus uns geschenkt und zugleich aufgetragen hat. „Welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ – wird Jesus im Evangelium an diesem Weltmissionssonntag gefragt. „Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mt. 22, 36-40) Unseren Gott lieben, an den wir als Christen glauben, dass er alles erschaffen hat, dass er Mensch wurde und zur Erlösung der Welt mit uns gelitten hat, für uns gestorben und auferstanden ist, damit wir Ängste und den Tod selbst überwinden. Diesen unseren Gott sollen wir aus ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Denken lieben! Was bedeutet das für mich? Wie vollbringe ich als Christ dieses Gebot? Und dann, weil ich Gott liebe, soll ich meinen Nächsten lieben wie mich selbst. Wie würde unsere Welt, unsere nahe Umwelt ausschauen, wenn jeder Christ dieser Weisung Jesu nachfolgen würde? Eine Mutter Theresa von Kalkutta verstand dieses Gebot nicht als Theorie, vom Leben und Leben lassen, von Toleranz allein. Wenn sie das so verstanden hätte, dann hätte sie vielleicht auch sagen können: Naja, die Armen, Kranken, Sterbenden von Kalkutta, die in ihrem Hindu-Glauben nach dem Karmagesetz dieses Schicksal erleiden, lasse ich auch einfach so leben und sterben. Weil Mutter Theresa aber das Gebot der Liebe zu Gott und dem Nächsten anders verstand und es in ihr Herz dringen ließ, deswegen verließ sie eines Tages ihre Ordensgemeinschaft und den Beruf als Lehrerin, sammelte die Sterbenskranken von der Straße, um sie würdig auf dem letzten Weg zu begleiten und gründete den Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe. Wie sie gibt es auch heute viele, die die Mission von ihrem Glauben her so verstehen, als Gesandte der Liebe Gottes in dieser Welt, Frieden, Gerechtigkeit, Würde und Liebe an Mensch und Schöpfung zu bringen. Der Weltmissionssonntag lädt mich ein, darüber nachzudenken und mich dem Auftrag Jesu mit erneuter Motivation und Glaube anzuschließen.