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Gedanken zum Weißen Sonntag von Pfarrer Anghel

Der weiße Sonntag oder der Sonntag der Barmherzigkeit, so wird dieser 2. Ostersonntag genannt.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Das ist die Aussage Jesu, die mich an diesem Sonntag besonders betroffen gemacht hat.

Der Kontext diese Aussage: Der Apostel Thomas glaubt seinen Amtskollegen nicht, dass der Herr selbst ihnen erschien, dass der Herr sich seinen Jüngern sehen ließ. Thomas will den Herrn selbst sehen, ja vielmehr, seinen Finger in die Wundmale und sogar seine Hand in die Seitenwunde Jesu legen, damit er glaube. Glaubt Thomas seinen Amtskollegen nicht? Stellt er ihre Erfahrungen hier in Frage? Ich vermute, hinter diesem Zweifeln steckt bei Thomas ein tieferer Wunsch, eine innigere Sehnsucht, nämlich, er will selbst dem Herrn begegnen, ihn selbst tasten, umarmen, erleben. Das ist viel herzlicher als ein rationaler Beweis! Thomas sehnt sich nach der Begegnung, Mitteilen, Austausch mit seinem Herrn!

Gesagt, getan. Nächstes Mal ist er mit dabei in der Runde der Jünger, denn da ist anscheinend der wahrscheinlichste Ort, wo er erscheint. Und tatsächlich, Jesus kommt in die Mitte seiner Jünger und lädt Thomas ein, das zu tun, was er sich gewünscht hat. Ob Thomas seinen Finger in die Wundmale und seine Hand in die Seitenwunde legte, das wissen wir nicht. Wir hören nur, wie er nur staunend bekennt: „Mein Herr und mein Gott!“ Und darauf sagt ihm Jesus: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

In vielerlei Hinsicht sind wir wie Thomas skeptisch: Wir wollen tasten, uns selbst überzeugen, ja sehen, den Herrn sehen. Aber auch bei uns steckt dahinter eine tiefe Sehnsucht, den Herrn zu erleben. Ein „Sehen“ allein reicht nicht aus, um eine Begegnung zu erstellen und jemanden zu erleben. Erleben ist viel mehr als Sehen allein. Wir können uns sehen, aber uns nichts sagen, uns nicht berühren. Erleben bedeutet, sein Herz erfüllen lassen von der Begegnung mit dem anderen im Austausch, im miteinander reden, essen, trinken, lachen, weinen, hohen und tiefen Mittragen, Anteil erhalten an dem, was den anderen bewegt, was ihm wichtig ist, was ihn erfreut oder traurig macht.

Auf unsere Sehnsucht dem Herrn zu begegnen, ihn zu erleben, hinterließ uns Jesus seine reale Präsenz, die eine Herausforderung darstellt und zugleich seine Aussage wahr macht: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Es ist die Heilige Kommunion, in der Er uns auch heute begegnet. All die Bilder und Symbole für Jesus sind nur eine Vorstufe, eine Anleitung, ein Erzählen von Ihm. Jedoch da, zum Erleben, zum Anfassen, zum Austausch mit Ihm, ist er in der Heiligen Kommunion präsent, mit seinem Leib, mit seinem Blut.

Thomas von Aquin gab die Größe und die Tiefe der Begegnung mit Jesus in der Hl. Kommunion in einem Lied wieder. Ich lade Sie, Euch an diesem Sonntag ein, über den Inhalt der Verse dieses Liedes nachzudenken in Erinnerung daran, wie Sie den Leib des Herrn in Ihren Händen hielten und empfingen. In diesem kleinen Stück Brot macht sich der große Gott klein, für mich, damit ich Ihn empfangen kann.

Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir. Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier.

Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin, weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

 

Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.

Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.

 

Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz.

Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier; wie der Schächer ruf ich, Herr, um Gnad zu dir.

 

Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot, bet ich dennoch gläubig: "Du mein Herr und Gott!"

Tief und tiefer werde dieser Glaube mein, fester laß die Hoffnung, treu die Liebe sein.

 

Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod! Du gibst uns das Leben, o lebendig Brot.

Werde gnädig Nahrung meinem Geiste du, daß er deine Wonnen koste immerzu.

 

Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein; wasch in deinem Blute mich von Sünden rein.

Schon ein kleiner Tropfen sühnet alle Schuld, bringt der ganzen Erde Gottes Heil und Huld.

 

Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht, stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht:

laß die Schleier fallen einst in deinem Licht, daß ich selig schaue, Herr, dein Angesicht.

GL 497

Pfr. Ionel Anghel

 

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