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Verwundet - Gedanken zum Karfreitag von Marianne Aicher

Die Karwoche und besonders der Karfreitag zeigen uns Jesus, den schwer verwundeten Menschen, dessen Zukunft ein qualvoller Tod sein wird. Kein Mensch, der noch schön anzuschauen war.

Heute am Karfreitag, vielleicht eine Zeit um inne zu halten und über die Verwundungen und Beschädigungen des Lebens nachzudenken, die äußerlichen und innerlichen Einschränkungen. Darüber, dass das Leben ein Ende haben wird. Über die Unsicherheit im Leben.

Gerade in dieser Zeit erleben wir, dass unser Leben stark eingeschränkt ist und wir erleben wie unsicher alles in unserem Leben geworden ist.

Vor einiger Zeit habe ich gehört, wie jemand, der am Corona Virus erkrankt war, darauf hingewiesen hat, dass er trotzdem stark ist. Und ich habe mich gefragt: Hat er dieses stark sein so betont, weil er Krankheit als Schwäche empfindet. Und Menschen die schwach sind, kein Ansehen genießen.

Stark sein, gesund sein, schön sein, erfolgreich sein, ich denke dass sich das jeder wünscht. Und damit auch die Anerkennung und die Zuwendung der Menschen um uns.

Aber das Leben ist anders, wir erleben Leid und Menschen, die verwundet sind, innerlich oder äußerlich.

Vielleicht ist der erste Impuls, wenn uns Unheil begegnet, dass wir wegsehen und weggehen wollen, fliehen. Das ist durchaus nachvollziehbar.

Aber verwandeln und verändern kann sich nur etwas, wenn ich hinschaue, hingehe, offen zugeben kann, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll. Wenn ich mich vom Leid berühren lasse, wer sagt denn, dass man nicht auch vor anderen mal weinen darf, wenn etwas sehr traurig ist.

Karfreitag das ist die große Verwundung, aber auch schon der Beginn des Heilens. Wie heilsam kann es sein, wenn ich erlebe, dass ich mit meinem verwundet sein nicht alleine bin, dass andere auch verwundet sind, dieselbe Beschädigung erleben, denselben Schmerz.

Am Ölberg hören wir wie Jesus unglaubliche Angst vor dem hat, was auf ihn zukommt, auch sein Schrei am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen“ aus dem Psalm 22, zeigt seine Angst, seinen Schmerz, aber auch seine Beziehung zu Gott, zu dem er rufen kann.

Karfreitag. Eine Zeit, auf den Weg des verwundeten Jesus zu schauen. Eine Zeit, innezuhalten und über die Verwundungen und Beschädigungen des Lebens und über den Tod nachzudenken.

Karfreitag. Eine Zeit zu sehen, dass da einer ist, der durch den Schmerz und den Tod gegangen ist. Er ist dem Verrat, dem alleingelassen werden durch seine Freunde, seinen Wunden, die ihm zugefügt wurden, dem Tod nicht ausgewichen.

So ist neues Leben möglich geworden. Karfreitag, ein Tag der sagt: Es gibt tatsächlich einen Weg durch den Schmerz, der uns sagt, dass Wunden heilen können und es neues Leben geben wird, auch nach dem Tod.

Und der Karfreitag stellt uns auch Menschen vor, die nicht weglaufen vor dem Leid. Die beim Kreuz bleiben, auch wenn sie nichts tun können.

So ist der Karfreitag auch der Tag der beginnenden Heilung. Das Kreuz ist das Zeichen dafür.

Im Schweigen vor Dir

Unaussprechliches ausdrücken, das ich nicht ins Wort bringe

Im Schweigen vor Dir

Leidvolles ansehen, das mein Herz nicht durchschaut

Im Schweigen vor Dir

Unheil hinhalten, das meine Seele nicht begreift

Im Schweigen vor Dir

Schmerzliches wahrnehmen, das mein Geist nicht erträgt

Im Schweigen vor Dir

Mein Sterben akzeptieren, das meinen Leib nicht ruhen lässt.

Im Schweigen vor Dir

Meinen Tod vor Augen, der mich nicht trennt

Im Schweigen vor Dir                                                               Egbert Schlotmann

 

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