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3. Ostersonntag - Impuls von Rudolf Salzeder

Resignation

Evangelium nach Johannes (21,4ff)

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tibérias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

Simon Petrus, Thomas, genannt Dídymus, Natánaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.

Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

 

Liebe Mitchristen,

„Ich gehe fischen“, sagt Petrus. Die anderen: „Wir kommen mit.“

Die Elf haben wohl endgültig alle Hoffnung aufgegeben. Die Sache mit Jesus war gescheitert. Die Katastrophe des Karfreitags liegt hinter ihnen. Sie sind nach Hause, ins abgelegene Galiläa, an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt und gehen wieder ihrem früheren Beruf nach. Von irgendetwas muss man ja leben.

Jesus, ihr Leben mit ihm, ihre Freundschaft mit ihm scheint passe zu sein. Das war’s dann. Der Alltag hat sie wieder.

Geht es uns nicht ähnlich? Wenden wir uns nicht ebenso intensiv dem Alltäglichen zu? Übersehen und vergessen wir bei aller Arbeit und bei allem Tun, bei allem in Beschlag-genommen-Sein von Aufgaben und Pflichten nicht den, der uns gerufen hat, dessen Namen wir als Christen tragen?

Kann nicht selbst Arbeit in der Kirche in leeren Aktionismus, in ruhelose Betriebsamkeit ausarten und zur Routine werden? Wie schnell vergessen wir, worum es eigentlich geht? Es läuft ja ganz gut. Alles ist so schön eingespielt?

Liebe Schwestern und Brüder!

Was uns heute fehlt, das ist kein Mehr an Organisation. Das sind nicht noch mehr Veranstaltungen oder zusätzliche Termine, kein schnelleres Laufen, noch mehr Betrieb. – Wir müssen uns vielmehr auf die Mitte besinnen, die der Herr ist, sich seiner Gegenwart bewusst sein. Es gilt immer wieder die Verbindung zu ihm zu suchen. Sonst mühen wir uns umsonst. Sonst bauen wir an hohlen Fassaden. ER, nicht unser Tun und Planen und Schaffen und Machen ist die Lebenskraft der Kirche. ER ist ihre Mitte und ihr Herz.

„Aber in dieser Nacht fingen sie nichts“, heißt es im Evangelium. Auch das Altvertraute funktioniert nicht mehr.

Ohne Jesus blieben die Netze leer. Null Erfolg. Alles vergeblich.

Doch Jesus steht am Ufer und wartet. Er ist mit den Seinen. Er ist mit seiner Kirche. Er sorgt sich um sie.

„Meine Kinder“, so spricht er die Jünger an. Keine Vorwürfe! Keine Vorhaltungen! Liebevoll wendet er sich ihnen zu.

Seine Frage, ob sie etwas zu essen haben, können sie nur verneinen. Sie haben nichts. Nicht einen einzigen Fisch. Leere Hände. Die Enttäuschung ist ihnen ins Gesicht geschrieben, die Trauer an den Augen abzulesen.

Da hat – zwischen Nacht und Tag – die Gestalt am Ufer ein Wort für sie: „Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus!“

Kein Fischer wird ernsthaft glauben, dass der Fang auf der einen Seite des Bootes erfolgreicher ist als auf der anderen. Und doch hören sie auf sein Wort. Sie tun, was er sagt, entgegen aller eigenen Erfahrung. Sie wagen das Ungewöhnliche, das an und für sich Widersinnige. Und sie haben Erfolg. 153 Fische. Was für ein Fang! Das pralle Leben. Die Fülle des Lebens wird den Jüngern da plötzlich in die Hände gelegt.

Auch für uns gilt und ist entscheidend:

Das Wort des Herrn hören und danach handeln. Seinen Willen tun. Seinen Eingebungen folgen. Und ganz auf die Macht des Herrn vertrauen. Nicht die Segel streichen! Nicht den Kopf hängen lassen! Auf sein Wort hin noch einmal hinausfahren, die Netze wieder auswerfen.

„Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.“

Der Jünger, den Jesus liebte, erfasst als erster, was hier vor sich geht. Es wird ihm klar: „Es ist der Herr!“ Er ist da. Er ist bei ihnen.

Liebe Mitchristen!

Seit Ostern wissen wir, dass auch in unserer Nacht des Umsonst, der Vergeblichkeit, dass in den Tagen der leeren Hände und Herzen, dass an den Tiefpunkten unseres Dasein einer am Ufer steht und auf uns wartet.

Seit Ostern wissen wir, dass es einen gibt, der uns nicht im Stich lässt, der bei uns ist, mit uns geht, uns versteht, uns den Weg weist und uns Mut macht zum Leben.

Im Brot, im Mahl, schenkt er uns seine Gegenwart, sich selbst.

Mit dem Jünger, den Jesus liebte, wollen auch wir bekennen:

„Es ist der Herr!“

Er nährt uns. Er stärkt uns. Er ruft uns ihm zu folgen. Er ist der Beistand, der uns nicht verlässt.

Amen!

 

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