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Osterpredigt von Pfarrer Anghel

Ostern hat einen echten Namen: Jesus Christus - durch klick auf den Titel erhalten Sie ein druckbares pdf

Es ist Ostern! Das Leben hat über den Tod gesiegt und das Licht hat die Dunkelheit erhellt! Unser Herr Jesus Christus schenkt uns die Hoffnung aller Hoffnungen!

Auch wenn wir in diesem Jahr Ostern nicht wie gewohnt feiern können, ist im Laufe dieses Jahres trotzdem Ostern geworden. Ostern - die Auferstehung des Herrn - ein Ereignis, das schon damals nichts stoppen konnte: Nicht der vor dem Grab gerollte Stein, auch die vor das Grab gestellten Wachen konnten die Auferstehung des Herrn nicht verhindern; und eben auch der größte Verhinderer, der Tod, kann das Leben nicht stoppen, vielmehr wird er bezwungen, überwältigt, ja erfüllt mit Leben, denn er hatte das LEBEN an sich geschluckt und hat sich nun verschluckt und muss alle frei geben, die er in seinem Schattenreich hielt.

Vieles ist durch den Coronavirus gestoppt worden, was wir sonst in den vergangenen Jahren an Ostern gemacht haben: Treffen mit den Familienangehörigen beim Osterfrühstück oder sonst, das gemeinsame Feiern der Osternacht in der Kirche. Diese Unternehmungen gehen uns ab. Die Natur draußen kann dennoch ungestört, vielleicht viel ungestörter als in den letzten Jahren ihrem Lauf folgen: die Vögel bauen Nester, die Blumen im Garten gehen auf und die Bäume lassen ihre Knospen hervorkommen ungeachtet der Gefahr, die von einem Virus ausgeht, der sie aber nicht angeht. Es waren andere Gefahren da, die vom Verhalten des Menschen ausgingen und sie bedrohten … Wenn Ostern mit neuem Leben, mit Lebenskraft zu tun hat, dann genießt die Schöpfung das Ostern in diesem Jahr in vollen Zügen. Es scheint, dass Ostern dieses Jahr der Natur etwas gebracht hat: Erholung - durch das Verzichten der Menschen auf Konsum, Reduzierung der Abgase und und ...

Und wir Menschen, bleiben wir an diesem Ostern auf der Strecke? Kein Emmausgang, kein Ostereiersuche, kein Osterritt mehr. Kein Rennen und Fliegen mehr auf und um den Erdball. Es kommt darauf an, was Ostern für uns bedeutet? Das daheim bleiben, die Einschränkungen sind vielleicht eine Chance zur Besinnung ... Auch für uns Gläubige über die Frage, ja was feiern wir an Ostern? Was ist der Grund unserer Ostereiersuche, unseres Osterritts, unseres Emmausganges? Was ist der Grund all dieser sonst schönen Bräuche, Aktionen? Waren sie ausgerichtet auf den Inhalt dessen, was wir eigentlich feiern und gedenken? Haben wir uns dadurch mit dem großen Geheimnis unseres Glaubens auseinandergesetzt: die Auferstehung des Herrn? Oder haben wir mit ein bisschen Folklore, mit ein bisschen Spaß annähernd versucht, schöne Ostern zu feiern … Ich bitte, mich nicht falsch zu verstehen: Die Notwendigkeit des niederschwelligen Angebots in der Glaubenspraxis möchte ich nicht absprechen und auch die Abholung eines jeden von uns nicht, von dort, wo er im Glauben steht. Aber ich denke mir, ja wo ist der Raum, der Ort, in unserer Kirche, wo man dieses Geheimnis für sich vertieft?

Diese Vertiefung kann dort beginnen, wo ich Ostern personifiziere, ihm seinen Namen geben: Jesus Christus, der Auferstandene. Um ihn geht es an Ostern, um seine Auferstehung und um das, was mir Er, seine Auferstehung bringen will. Seine Auferstehung hätte der Herr sonst nicht „veranstalten brauchen“, wenn diese mich nicht mitnimmt, mein Leben prägt, aufrüttelt, herausfordert, ermutigt und mit der Hoffnung erfüllt, Hoffnung, die aus seinem Ruf auch zu mir ergeht: Fürchte dich nicht! Warum weinst du? Wen suchst du? So der Ruf in den Evangelien an Ostern.

Das Evangelium vom Ostersonntag (Johannes 20, 1-18) gibt uns am Beispiel Maria Magdalenas vor, wie mit der Botschaft von Ostern umzugehen ist: Ihn, den Herrn suchen. Ihn aus einer erfahrenen Beziehung, aus einer innigen Liebe suchen. Maria erfährt, dass Jesus auferstanden ist, weil sie Ihn sucht. Ihr geht es um Ihn, um Jesus! Maria verweilt am leeren Grab, nachdem die Jünger sahen, dass die Leinenbinden da liegen und der Herr nicht mehr im Grab liegt. Die Jünger gingen wieder nach Hause zurück. Maria blieb am Grab und sie weint. Sie ist mitgenommen, von dem was geschehen ist. Sie weint vor Freude, oder noch vor Trauer, wir wissen es nicht, aber sie ist noch voll konzentriert auf den Herrn: Wie mag es ihm gehen, wo ist er denn, was ist mit ihm geschehen? Sie erschrickt nicht einmal, als die zwei Engel in weißen Gewänder sie fragen: Warum sie denn weint, so tief ausgerichtet ist sie auf Jesus und antwortet ihnen aus ihrem Herzen: Sie haben meinen Herrn weggenommen. Es scheint, dass sie bei diesem ihrem Herzensbekennen „meinen Herrn“ dann den Herrn auch sehen kann, der dastand, vielleicht auch die ganze Zeit.

Seinen Jüngern, die heim gegangen waren, die später zu ihrer alten Beschäftigung gingen - Fischen - oder gar an seiner Auferstehung zweifelten, wie Thomas, erscheint der auferstandene Herr extra. Manchen stürzt er sogar vom Pferd und lässt ihn erfahren, dass er der Herr ist.

Es mag sein, dass ich jeweils einen unterschiedlichen Umgang mit Ostern habe, eins muss aber dabei sein, um Ostern in seiner Tiefe zu erfahren: offen bleiben für Ihn, für Gott. Er lebt, er wirkt, er liebt. Und in dem ich Ihn erfahre, lebe, wirke und liebe auch ich, neu, erfüllt, mit Freude trotz und in allen Ängsten und Krisen! In diesem Sinn wünsche ich allen die Freude und den Frieden unseres Auferstandenen Herrn Jesus Christus!

Pfr. Ionel Anghel