Träumer, Handwerker, Helfer

Heiliger des Monats März: Josef von Nazaret

Josef träumte. Und seine Träume waren entscheidend. Im Traum erfuhr der heilige Josef, dass das Kind, das seine Ver­lobte erwartete, das Volk retten wird. Auf Geheiß eines Engels verlieh er dem Kind den Namen Jesus (Mt 1,25). Ebenfalls im Traum bekam Josef den Befehl, mit seiner Familie nach Ägyp­ten zu fliehen, um dem Kindermord in Betlehem zu entgehen. Am 19. März gedenken die katholische Kirche, die evangelische und die anglikanische Kirche des Mannes, der in der Heilsge­schichte nicht hätte fehlen dürfen. In der katholischen Kirche ist der Tag ein Hochfest. In der orthodoxen Kirche wird am Sonntag nach Weihnachten des heiligen Josef gedacht, in ande­ren Kirchen auch im Oktober oder im Juli.

Josef, der Zimmermann, in den Evangelien

Ein alter Mann mit Bart, der ruhig und beschützend etwas ab­seits vom Geschehen steht, so kennt man den heiligen Josef aus den Krippen und Bildern der Weihnachtszeit. Es ist auch nicht wirklich abschließend zu klären, ob das von der Tradition ge­zeichnete Bild des heiligen Josef und die biblischen Erzählungen in Einklang stehen. In den Evangelien kommt Josef nämlich nur spärlich vor. Lediglich aus den sogenannten Vorgeschichten der Evangelien wissen wir von ihm. Josef war fromm und wollte sei­ne Verlobte nicht in Schande bringen, als er von ihrer Schwan­gerschaft erfuhr (Mt 1,19–25), und hatte vor, sie ohne Aufhe­bens zu verlassen. Aber nach seinem Traum entschied er anders, ebenso wie vor der Flucht nach Ägypten und der Heimkehr nach Israel (Mt 2,19–23). An anderen Stellen wird Jesus als Sohn des Josef identifiziert (Lk 4,22; Joh 1,45; 6,42). In den Stammbäu­men Jesu, die Lukas (Lk 3,23–38) und Matthäus (Mt 1,1–17) aufgezeichnet haben, erscheint Josef aus dem Geschlecht Da­vids, wobei die Evangelisten eine Verbindung des Messias zum Königsgeschlecht verdeutlichen. Vom Beruf des heiligen Josef ist ebenfalls nur an zwei Stellen in den Evangelien die Rede (Mt 13,55; Mk 6,3). Demnach war er Zimmermann oder Bauhand­werker, wie man das griechische Wort auch übersetzen kann. Dieses Handwerk hat Josef auch an Jesus weitergegeben.

Josef, ein alter Mann?

In der damaligen Zeit lag das Alter des Mannes bei einer Ver­lobung zwischen 18 und 24 Jahren. In dem apokryphen Buch „Geschichte Josefs, des Zimmermanns“, also einem Buch, das nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurde, wird Josef aber als Greis bezeichnet. Demnach soll er bei der Verlobung mit Maria 90 Jahre alt gewesen sein. Daher stammt wohl die Tradition, den heiligen Josef als alten Mann darzustellen. Aber aus der Bibel lässt sich dies nicht beweisen. Es ist auch kaum vorstellbar, denn ein Greis hätte die beschwerliche Flucht nach Ägypten oder auch die Wallfahrt nach Jerusalem (Lk 2,41) wohl kaum schaffen können. Kunstwerke aus altchristlicher Zeit stel­len Josef auch im jugendlichen Alter dar. Erst ab dem fünften Jahrhundert altert Josef in den Darstellungen.

Allerdings ist Josef vermutlich bald nach dem zwölften Le­bensjahr Jesu gestorben. Wenn Jesus als „Sohn Josefs“ bezeich­net wird, scheint Josef nur noch in der Erinnerung zu sein, zumal auch Maria als Mutter genannt wird (Mk 6,3), was man damals nur bei langjährigen Witwen tat. Auch als Jesu Ver­wandte nach ihm suchen, werden nur seine Mutter und seine Brüder erwähnt (Mk 3,20f.31f.). An vielen anderen Stellen, wo man seinen Namen erwarten würde, fehlt der heilige Josef, wie beispielsweise bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12) oder auch bei der Kreuzigung. Dies alles legt nahe, dass Josef schon recht früh gestorben ist.

Die Verehrung des heiligen Josef

Erstmals erwähnt ist die Verehrung des heiligen Josef im Mar­tyrologium der Reichenau aus dem Jahr 850. Dort wird bereits der 19. März als Festtag aufgeführt. An diesem Tag wurde in der Antike der Göttin Minerva gedacht, die als Patronin der Hand­werker galt. Vermutlich wurde daher bewusst der Gedenktag an den heiligen Josef auf diesen Tag gelegt. Erst im Jahr 1479 erklärte Papst Sixtus IV. offiziell den 19. März zum Festtag des Heiligen. Viele hatten sich mit seiner Rolle in der Heilsgeschich­te befasst, unter ihnen vor allem Bernhard von Clairvaux und verschiedene Mystiker. Die Habsburger erkoren Josef zu ihrem Hausheiligen. Kaiser Ferdinand II. hatte 1620 mit einem Bild Josefs in der Schlacht gegen die pfälzisch-böhmische Armee am Weißen Berg bei Prag gesiegt und machte daher den Josefstag im Habsburger Reich zum Feiertag. Papst Clemens X. gab ihm 1670 schließlich den Rang eines Festes. Im Jahr 1714 ließ Papst Clemens XI. das Fest mit einem eigenen Messformular und Of­fizium versehen. Papst Benedikt XIII. fügte Josef in die Aller­heiligenlitanei ein. 1870 wurde Josef durch Papst Pius IX. zum Patron der ganzen katholischen Kirche erhoben, Papst Pius XI. ernannte ihn 1937 zum Patron all derer, die den Kommunismus bekämpfen.

Schließlich bekam Josef noch einen zweiten Gedenktag im liturgischen Jahr. Das Fest „Heiliger Josef, der Arbeiter“, das am 1. Mai begangen wird, hat Papst Pius XII. 1955 eingeführt. Die­ser Gedenktag soll Josef mit dem Tag der Arbeit in Verbindung bringen. In einigen Ländern ist der Josefstag auch der Vatertag. In Bayern und Österreich, wo der Josefstag bis 1968 noch Fei­ertag war, bekamen die jungen Mädchen an diesem Tag Blu­menkränze, die ihre Jungfräulichkeit bewahren sollten. Oder sie erhielten Blumensträuße, die beim Finden eines Bräutigams helfen sollten. Jung Verheiratete steckten sich „Josefsringe“ an, um gegen Versuchungen gerüstet zu sein. An vielen Orten wird bis heute am Josefstag das Starkbier erstmals ausgeschenkt. Josef ist immer noch einer der weltweit gebräuchlichsten Vornamen. Der heilige Josef führt also keineswegs ein Schattendasein, wie es viele Kunstwerke eigentlich vermuten lassen.

Marc Witzenbacher

aus: Magnificat. Das Stundenbuch, 03/2016, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de